Ausbildungssituation in der Gesamtwirtschaft 2012 / 2013

Betriebliche Berufsausbildung auf stabilem Niveau

Zu Beginn des Ausbildungsjahres am 30. September 2012 wurden 551.271 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge gemeldet (Vorjahr 570.100). Der verhältnismäßig starke Rückgang um 3,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr resultiert vor allem aus dem sehr starken Rückgang der außerbetrieblichen Ausbildungsverträge (minus 15 Prozent). Der Rückgang der abgeschlossenen betrieblichen Ausbildungsverträge um 2,5 Prozent entspricht ungefähr der insgesamt sinkenden Bewerberzahl (minus 2,4 Prozent).

In den alten Bundesländern wurden insgesamt 472.368 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen (minus 2,6 Prozent), während es in den neuen Bundesländern 78.903 Ausbildungsverträge waren (minus 6,6 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr mit einem Rückgang von 7,8 Prozent hat sich diese Tendenz in Ostdeutschland leicht abgeschwächt. Außerdem war für den Rückgang im Jahr 2012 - anders als in den Vorjahren - vor allem die stark rückläufige Zahl außerbetrieblicher (also öffentlich geförderter) Ausbildungsstellen verantwortlich (minus 29,2 Prozent). Das betriebliche Ausbildungsplatzangebot blieb dagegen stabil.

Anders als im Vorjahr ist die Zahl der bundesweit gemeldeten Ausbildungsplatzbewerber zum 30. September 2012 gestiegen, und zwar um 3,1 Prozent auf 559.900. Der Anstieg der Bewerberzahlen - trotz gegenläufiger demografischer Entwicklung - war auch im Jahr 2012 wieder durch die doppelten Abiturjahrgänge (G 8) in den Bundesländern Baden-Württemberg, Berlin, Bremen, Brandenburg und Teilen Hessens begründet. Besonders stark war daher auch der Anstieg der Bewerberzahlen in Westdeutschland, der mit 15 Prozent auf 467.000 deutlich über dem Vorjahr lag, während in den neuen Ländern annähernd stabile Bewerberzahlen (plus 2 Prozent, gesamt 92.000 Bewerber) zu verzeichnen waren.

Trotz des verhältnismäßig hohen Anstiegs der Bewerberzahlen gab es, wie auch schon in den Vorjahren, im September 2012 deutlich mehr unbesetzte Ausbildungsstellen als Ausbildungsplatzbewerber. 15.700 Bewerbern standen noch 33.000 unbesetzte Ausbildungsstellen gegenüber. Damit ergibt sich eine Differenz von 17.600 (Vorjahr: 18.500). Bis zum Ende der Nachvermittlungsperiode im Januar 2013 verringerte sich die Zahl der noch unversorgten Bewerber um 8.000. 7.600 noch unversorgten Bewerbern standen noch 3.400 unbesetzte betriebliche Ausbildungsstellen und mehr als 10.000 Plätze für Einstiegsqualifizierungen gegenüber.

Ausblick 2013: Ausbildungsplatzsituation ausgeglichen

Bis Mai 2013 wurden 465.000 Ausbildungsplatzbewerber gemeldet. Diese Zahl ist ist im Vergleich zum Vorjahresmonat nur leicht rückläufig (minus 1,2 Prozent). Die Zahl der gemeldeten betrieblichen Ausbildungsplätze nahm korrespondierend zur Bewerberanzahl um 1,4 Prozent ab (auf 431.000). Beim Rückgang der Bewerberzahlen ist, wie auch schon in 2012, kaum noch ein Unterschied zwischen West- und Ostdeutschland zu erkennen (West: minus 1,1/Ost: minus 2,6 Prozent). Etwas stärker ausgeprägt ist der Unterschied bei den betrieblichen Ausbildungsplätzen (West: minus 1 / Ost: minus 4 Prozent). 

Parallele Entwicklung in West- und Ostdeutschland

Im Mai 2013 standen 218.000 noch unversorgten Bewerbern 208.000 noch unbesetzte Ausbildungsstellen gegenüber. Die Stellen-Bewerber-Relation ist zu diesem Stichtag damit etwas schlechter als im Vorjahr und beträgt 0,95. 

Ausbildungsmarkt: Stellen-Bewerber-Relation
Jahr
(jeweils im Mai)
Verhältnis von Bewerbern
zu offenen Ausbildungsstellen
20130,95
20120,96
20110,94
20100,88
20090,84
20080,78
20070,63
20060,57

Ausbildungspakt 2013: Zusagen übererfüllt

Der Ausbildungspakt hat auch im Jahr 2012 die gesetzten Ziele übererfüllt: 2012 wurden 69.100 neue Ausbildungsplätze eingeworben (Zusage: 60.000). Bei den neuen Ausbildungsbetrieben lieg die Zahlen ebenfalls deutlich über dem anvisierten Ziel von 30.000: Im Jahr 2012 wurden letztlich 41.600 neue Betriebe für Ausbildung gewonnen. Die Bilanz des Ausbildungspaktes ist damit auch im achten Jahr seines Bestehens durchgehend positiv. Dies spiegelt sich auch in der Entwicklung der Ausbildungsverträge wider. 

Ausbildungslücke verringert sich weiter:

 Ausbildungslücke 2013

Qualitativ haben sich die Paktpartner das Ziel gesetzt, die Potenziale aller Jugendlichen für die duale Berufsausbildung zu erschließen und zu fördern:

  • In der Initiative Bildungsketten bis zum Ausbildungsabschluss werden Potenzialanalyse, Berufsorientierung und Berufseinstiegsbegleitung aufeinander abgestimmt und verzahnt. Stärken und Schwächen von Schülern werden in den Vorabgangsklassen in Potenzialanalysen identifiziert und der Übergang in Ausbildung kann durch Berufseinstiegsbegleiter unterstützt werden.
  • Es gibt weniger so genannte Altbewerber: Die Zahl der Bewerber um einen Ausbildungsplatz, die die Schule bereits vor einem Jahr oder länger verlassen haben, ist von 2010 bis 2012 stetig gesunken (um insgesamt 27.000 oder 10,4 Prozent).
  • Durch Zusammenarbeit von Elternhaus und Bildungseinrichtungen werden insbesondere der Leistungsstand von Jugendlichen mit Migrationshintergrund und ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöht. Durch die gezielte Ansprache dieser Jugendlichen gelingt es zunehmend, diese für eine Ausbildung zu gewinnen.
  • Mit dem Projekt „Stark für Ausbildung“ wird ein modulares Qualifizierungskonzept entwickelt, um Jugendliche mit besonderem Förderbedarf gezielt zu unterstützen.
  • Die Förderstrategien der Länder für leistungsschwächere Jugendliche erhöhen deren Chance auf einen Schulabschluss und die Teilhabe am beruflichen und gesellschaftlichen Leben. In der dualen Ausbildung stehen für diese Jugendlichen ausbildungsbegleitende Hilfen zur Verfügung, um Ausbildungsabbrüchen entgegenzuwirken. 
  • Die bundesweite Informationsoffensive „Berufliche Bildung - praktisch unschlagbar“ richtet sich insbesondere an leistungsstarke Jugendliche. Sie macht die Attraktivität der beruflichen Bildung für diese Zielgruppe besser sichtbar und zeigt die Karrieremöglichkeiten und Weiterbildungsangebote für die Absolventen einer dualen Ausbildung auf.

In der weiteren Laufzeit des Ausbildungspaktes bis 2014 wollen sich die Paktpartner vor allen Dingen folgenden Themen widmen:

  • Bessere Abstimmung von Angebot und Nachfrage: Das betriebliche Angebot und die Nachfrage der Jugendlichen sollen möglichst passgenau zusammen gebracht werden. In regionaler wie berufsfachlicher Hinsicht gibt es Probleme beim so genannten Matching. Auch die Kompetenzen der Jugendlichen und die betrieblichen Anforderungen passen häufig nicht zusammen. 
  • Einstiegsqualifizierung vor allem für Förderbedürftige: Die Paktpartner verfolgen das Ziel, dass die bereitgestellten Angebote zur betrieblichen Einstiegsqualifizierung (EQ) künftig insbesondere förderungsbedürftigen Jugendlichen verstärkt angeboten und von diesen genutzt werden sollen, um ihren Start in die Berufsausbildung zu erleichtern. EQ hat sich als wirksames Instrument erwiesen: Bis zu 70 Prozent der Jugendlichen, die eine solche Maßnahme absolviert haben, wurden in Ausbildung übernommen. 
  • Inklusion vorantreiben: Das Thema Inklusion soll eine größere Bedeutung erlangen. Junge Menschen mit Behinderungen sollen gezielt bei der beruflichen Bildung unterstützt werden. Die „Initiative Inklusion“ zielt unter anderem darauf ab, die Berufsorientierung von jungen Menschen mit Behinderungen zu verbessern und neue betriebliche Ausbildungsplätze für schwerbehinderte Jugendliche zu schaffen. Alle Paktpartner werben in den bestehenden Strukturen für die vielfältigen Chancen und Möglichkeiten einer Berufsausbildung für Menschen mit Behinderungen.
  • Mehr Teilzeit-Ausbildung: Die Möglichkeit der Teilzeitausbildung für junge Mütter und Väter soll gestärkt werden.