Tarifbewegung 2007

Wichtige Tarifabschlüsse im Überblick:

Abschluss
am
BrancheBelastung in
% (12 Monate)
langfristiger
Tarifsockel in %
(12 Monate)
Laufzeit in
Monaten
24.11.Versicherungen
(Innendienst)
2,32,225
20.08.Bau *3,03,224
20.06.Groß-/Außenhandel **2,52,424
06.06.Druckindustrie2,32,624
04.05.Metall/Elektro3,73,719
08.03.Chemie3,73,1

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* Zusatzbelastung für Altersversorgung, Minderbelastung durch gesondert angepassten Mindestlohntarif
** Bayern

Die Abschlüsse im Einzelnen:
Versicherungswirtschaft (Innendienst)
Am 24. November 2007 haben sich die Tarifparteien der Versicherungswirtschaft auf einen Abschluss für die 180.000 Beschäftigten im Innendienst geeinigt. Die Eckpunkte:
  • Laufzeit: 25 Monate (01.09.2007 bis 30.09.2009)
  • 4 Leermonate bei Einmalzahlung von 300 EUR
  • Anhebung der Tarifentgelte zum 1. Januar 2008 um 3,0 %, zum 1. Januar 2009 um weitere 1,6 %
  • weitere Einmalzahlung im Juli 2008 in Höhe von 3,6 % eines tariflichen Monatsgehalts
  • ab Januar 2008 Einführung beschäftigungsfördernder Tarifgruppen für einfache Tätigkeiten (Scannen, Postvorbereitung: Einstiegsgehalt 1.350 EUR, Identifizieren, Indexieren, Erkennen: Einstiegsgehalt 1.500 EUR)
  • Nachtarbeitszuschläge künftig erst für Arbeit ab 21.00 Uhr (eine Stunde später als bislang)
  • bis Ende 2011 befristeter Tarifvertrag zur Qualifizierung (Anspruch auf ein regelmäßiges - in der Regel jährliches - Gespräch mit dem Arbeitgeber)
  • Verlängerung des Altersteilzeitabkommens (Rahmenregelung ohne Rechtsanspruch, bis Ende 2009), der Kurzarbeitsregelung (unbefristet) und des tariflichen Arbeitszeitkorridors (20 bis zu 42 Wochenstunden, bis Ende 2009).

Die Belastung inklusive der Einmalzahlungen erreicht innerhalb der Laufzeit - umgerechnet auf 12 Monate - 2,3 %. Der langfristige Tarifsockel erhöht sich - umgerechnet auf 12 Monate - um 2,2 %.

Damit liegt die Versicherungswirtschaft in der durchschnittlichen Belastung leicht über dem Banken-Abschluss vom Juni 2006 (2,0 Prozent); die Sockelbelastung ist identisch. Innerhalb der Tarifbewegung 2007 ist der Versicherungsabschluss moderat. Strukturell bilden die Versicherungen den Banken-Abschluss aus dem Jahr 2006 weitgehend nach (Leermonate mit Einmalzahlung, lineare Anhebung in zwei Stufen, identische Laufzeit).


Bauwirtschaft
Am 20. August 2007 haben die Tarifparteien der Bauwirtschaft das bereits im Mai ausgehandelte Schlichtungsergebnis für die rund 700.000 Beschäftigten der Branche endgültig angenommen. Zugeständnisse an die Landesverbände Schleswig-Holstein und Niedersachsen (leichtere Absenkung von Lohnanhebungen) hatten die Annahme ermöglicht.
  • Laufzeit: 24 Monate (01.04.2007 bis 31.03.2009)
  • 2 Leermonate
  • Anhebung der Tarifentgelte in drei Stufen: um 3,1 % zum 1. Juni 2007, um 1,5 % ab 1. April 2008 und um 1,6 % ab September 2008
  • in jeder Stufe monatliche Festbeträge, die nicht in die Tarifbasis eingehen (erste Stufe 0,4 %, zweite und dritte Stufe jeweils 0,5 %); Zahlungen können auch zusammengefasst als Einmalbeträge ausgezahlt werden; Öffnungsklausel erlaubt Absenkung der Festbeträge bis auf null
  • Zusatzversorgung: Aufstockung des Arbeitgeberbeitrags ab Januar 2008 von 2 % auf 2,6 %, ab Januar 2009 auf 3,2 %. Im Gegenzug wird ab Januar 2008 das zusätzliche Urlaubsentgelt von bisher 30 % auf 25 % des Grundentgeltes zurückgeführt.
Die Belastung (ohne Zusatzversorgung) inklusive der Pauschalzahlungen erreicht innerhalb der Laufzeit - umgerechnet auf 12 Monate - 3,0 %. Werden betrieblich die Pauschalzahlungen gestrichen, reduziert sich die Belastung im Zwölfmonats-Durchschnitt auf 2,7 %. Der langfristige Tarifsockel erhöht sich - umgerechnet auf 12 Monate - um rund 3,2 %.

Bei detaillierter Betrachtung relativiert sich das nominale Tarifergebnis von 3,0 % in beide Richtungen. Zum einen fällt die reale Belastung der Betriebe deutlich geringer aus. Denn die Tariferhöhungen beziehen sich nicht auf die Mindestlöhne, die erst zum 1. September 2008 moderat angehoben wurden und die für etwa ein Viertel der gewerblichen Beschäftigten am Bau (rund 120.000 Personen) gelten. Gewichtet man die gesamte Tarifentwicklung nach dieser Beschäftigtenstruktur, sinkt die reale Belastung auf 2,6 % inklusive Pauschalzahlungen und auf 2,3 % ohne Pauschalbeträge (jeweils umgerechnet auf 12 Monate). Umgekehrt haben die Bau-Arbeitgeber zusätzliche Altersversorgungskosten zu tragen, die nur zum Teil durch die Verringerung des Urlaubsgeldes kompensiert werden.

Mit der Einigung ist es gelungen, den Flächentarifvertrag in einer Branche mit sehr heterogener Betriebsstruktur fortzuschreiben - wenn auch um den Preis einer regionalen Sonderregelung.
Groß- und Außenhandel (Bayern)
Am 20. Juni 2007 haben sich die Tarifparteien für die 240.000 Beschäftigten im bayerischen Groß- und Außenhandel auf folgenden Abschluss geeinigt:
  • Laufzeit: 24 Monate (01.04.2007 bis 31.03.2009)
  • 3 Leermonate, für die keine Pauschale gezahlt wird
  • Anhebung der Tarifentgelte zum 1. Juli 2007 um 2,4 % sowie zusätzlich monatlich einheitlich um 15,50 EUR (das entspricht einer durchschnittlichen Anhebung der Tarifgehälter um 3,19 %)
  • weitere Erhöhung der Tarifgehälter zum 1. Juni 2008 um 2,0 % sowie zusätzlich monatlich einheitlich um 7,50 EUR (das entspricht einer Anhebung um 2,37 %).
Die Belastung innerhalb der Laufzeit beträgt nach Westrick 2,5 %. Der langfristige Tarifsockel steigt auf Zwölfmonatsbasis um 2,37 %.
Druckindustrie
Am 6. Juni 2007 haben sich die Tarifparteien der Druckindustrie auf einen Abschluss für die rund 180.000 Beschäftigten verständigt:
  • Laufzeit: 24 Monate (01.04.2007 bis 31.03.2009)
  • 3 Leermonate, für die keine Pauschale gezahlt wird
  • Anhebung der Tarifentgelte zum 1. Juli 2007 um 3,0 % und zum 1. Juli 2008 um weitere 2,1 %
  • Verlängerung des Tarifvertrags zur Altersteilzeit bis zum 31.12.2009.
Die Belastung innerhalb der Laufzeit summiert sich - nach Westrick auf 12 Monate umgerechnet - auf knapp 2,3 %. Der langfristige Tarifsockel steigt - ebenfalls auf 12 Monate gerechnet - um knapp 2,6 %.

Das Tarifergebnis spiegelt die spezifische Branchenkonjunktur in der Druckindustrie wider und zeigt, dass die vergleichsweise hohen Abschlüsse für Chemie und Metall/Elektro keinen Automatismus für die gesamte Tarifbewegung bedeuten.
Metall- und Elektroindustrie
Am 4. Mai 2007 haben die Verhandlungsführer den Pilotabschluss für das Tarifgebiet Baden-Württemberg (rund 800.000 Beschäftigte) paraphiert, der anschließend für alle Tarifgebiete (insgesamt 3,4 Mio. Beschäftigte) übernommen wurde. Er enthält folgende Regelungen:
  • Laufzeit: 19 Monate (01.04.2007 bis 31.10.2008)
  • 2 Leermonate mit Einmalzahlung von 400 EUR
  • Anhebung der Tarifentgelte zum 1. Juni 2007 um 4,1 % und zum 1. Juni 2008 um weitere 1,7 %
  • zusätzlich in der zweiten Stufe einmaliger Konjunkturbonus in Höhe von 0,7 % der jeweiligen regelmäßigen Monatsentgelte (insgesamt 3,98 %)
  • Öffnungsklausel: Betriebsparteien können die zweite Stufe der Entgelterhöhung aus wirtschaftlichen Gründen per Betriebsvereinbarung um bis zu vier Monate verschieben; entsprechend reduziert sich der Konjunkturbonus.
Die Belastung innerhalb der Laufzeit liegt - nach Westrick auf 12 Monate umgerechnet - bei 3,67 % (bei Verschiebung der zweiten Tarifstufe um vier Monate: 3,3 %). Der langfristige Tarifsockel erhöht sich - ebenfalls auf 12 Monate umgerechnet - um rund 3,7 %.

Mit ihrer Forderung nach Variabilisierung des Weihnachtsgeldes im Umfang von 1 % des tariflichen Jahresentgelts haben sich die Metallarbeitgeber nicht durchgesetzt. Damit bleibt ihnen ein Variabilisierungsinstrument, wie ihn das Bankgewerbe in § 10 Ziffer 4 MTV (0,8 % des Jahresentgelts) bereits Ende 2002 vereinbart hat, weiterhin verwehrt.
Chemische Industrie
Am 8. März 2007 haben die Tarifparteien der chemischen Industrie einen neuen Tarifvertrag für die 550.000 Beschäftigten in Westdeutschland abgeschlossen; am 26. März wurde der Abschluss auch für die 30.000 Beschäftigten der ostdeutschen Chemieunternehmen übernommen. Eckpunkte sind:
  • Laufzeit: 14 Monate (Beginn regional unterschiedlich zwischen 01.01. und 01.03.2007)
  • jeweils 1 Leermonat bei Einmalzahlung von 70 EUR
  • Anhebung der Tarifentgelte ab dem 2. Monat um 3,6 %
  • zusätzlich ab dem 2. Monat Einmalzahlung, die 0,7 % der jeweiligen Monatsentgelte beträgt (insgesamt 9,8 % eines Monatsentgelts für Arbeitnehmer in Normalschicht); Arbeitgeber und Betriebsrat können diese Zahlung aus wirtschaftlichen Gründen per Betriebsvereinbarung verschieben, kürzen oder streichen
  • Verlängerung des Vertrags „Zukunft durch Ausbildung“
  • Verbesserung der Rahmenregelungen zu Langzeitkonten.

Die Belastung innerhalb der Laufzeit beläuft sich - nach Westrick auf 12 Monate umgerechnet - auf 3,65 %. Der langfristige Tarifsockel steigt auf Zwölfmonatsbasis um knapp 3,1 %.