Tarifbewegung
Von 1995 bis 2007 haben Tarifabschlüsse mit Augenmaß fast 880.000 Arbeitsplätze gesichert oder geschaffen. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in einer aktuellen Berechnung. Zugleich tritt das IW der verbreiteten Argumentation entgegen, eine gemäßigte Lohnpolitik schwäche die Konsum- und Binnennachfrage: Untersuchungen der Europäischen Kommission und des IW zeigen, dass Beschäftigungswachstum den Konsum viel stärker ankurbelt als steigende Reallöhne.

Es ist deshalb geboten, den Kurs einer moderaten Lohnpolitik fortzusetzen - auch, damit sich die Lohn-Preis-Spirale nicht erneut zu drehen beginnt, in der überhöhte Lohnsteigerungen der Inflation weiteren Schub verleihen und wiederum steigende Lohnforderungen nach sich ziehen würden. Vor diesen Zweitrundeneffekten haben die Europäische Zentralbank und die Deutsche Bundesbank zu Jahresbeginn 2008 nachdrücklich gewarnt. Andernfalls könnte sich die EZB zu weiteren Zinserhöhungen veranlasst sehen - mit deutlich negativen Folgen für Konjunktur und Beschäftigung.

Jenseits der Gehaltstarifrunden zeigt die Tarifbewegung der vergangenen Jahre zwei bedeutende Trends. Zum einen werden die Tarifvertragswerke immer flexibler. Dadurch erhalten sie die Tarifeinheit, geben aber Unternehmen und Beschäftigten mehr betriebliche Gestaltungsmöglichkeiten insbesondere bei Arbeitszeit und Vergütung. Zum anderen vereinbaren die Tarifparteien zunehmend Laufzeiten deutlich über ein Jahr hinaus, häufig sogar zwei Jahre oder länger. Damit verschaffen sich Unternehmen und Beschäftigte deutlich mehr Planungssicherheit als in den Jahren zuvor.