Gesundheitsschutz im Kreditgewerbe

Gesundheitssituation im Kreditgewerbe
Psychische und Verhaltensstörungen
Gesundheitsschutzprogramme der Banken
Gesundheitsschutz und Tarifpolitik

Gesundheitssituation im Kreditgewerbe
Die Beschäftigten in deutschen Banken sind überdurchschnittlich fit: Der Krankenstand im Kreditgewerbe ist seit vielen Jahren der niedrigste aller Branchen und konstant rückläufig. 2007 blieb die Arbeitsunfähigkeit im Bankgewerbe konstant bei 8,6 Tagen je Beschäftigten, während die krankheitsbedingten Ausfalltage pro Kopf über alle Branchen hinweg leicht angestiegen sind. Der Krankenstand im Kreditgewerbe lag 2007 um etwa ein Drittel unter dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt von 12,8 Tagen (BKK-Versicherte).

Die meisten Arbeitsunfähigkeitstage im Kreditgewerbe - gut ein Fünftel - entfallen auf Atemwegserkrankungen (vor allem Erkältungskrankheiten und Grippe). An zweiter Stelle folgen Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems (Wirbelsäulen- und Rückenleiden) mit einem Sechstel der Ausfalltage, gefolgt von psychischen Störungen (knapp ein Achtel) und Verletzungen (ein Zehntel).

Detailinformationen zur Gesundheitssituation im Kreditgewerbe liefern Ihnen aktuelle Grafiken.


Psychische und Verhaltensstörungen
In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Diagnosen im Bereich „psychische und Verhaltensstörungen“ - über alle Gesellschafts- und Wirtschaftsgruppen hinweg - nominal deutlich erhöht. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass dies allein durch einen realen Anstieg begründet ist. Denn verschiedene technische und gesellschaftliche Faktoren spielen dabei eine erhebliche Rolle:

  • Umstellung des Diagnoseschlüssels: Im Jahr 2000 trat in Deutschland die 10. Revision der International Classification of Diseases (ICD-10) in Kraft. Seither ist die Zuordnung von Diagnosen nicht mehr Sache der Krankenkassen, sondern der krankschreibenden Ärzte - und die können vor Ort gerade psychische Erkrankungen besser diagnostizieren. Außerdem zwingen die ICD-10 erstmals zur systematischen und EDV-gestützten Erfassung psychischer Erkrankungen.
  • Psychotherapeutengesetz: Anfang 1999 ist das Psychotherapeutengesetz in Kraft getreten. Seitdem können Kassenpatienten direkt zu einem psychologischen Psychotherapeuten gehen, ohne vorher einen Arzt zu konsultieren oder eine Genehmigung ihrer Krankenkasse vorzulegen. Daraufhin ist die Zahl der Psychotherapieanträge 1999 und 2000 sprunghaft gestiegen. Auch die Zahl der Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie hat sich nach Angaben der Bundesärztekammer kontinuierlich erhöht - von rund 4.500 Ende 1999 auf über 8.300 zum Jahresende 2007.
  • Veränderter Umgang mit psychischen Erkrankungen: Laut einer Expertenbefragung der DAK führen drei weitere Faktoren zu einem Anstieg der Diagnose „psychische Störung“. Erstens hat sich die diagnostische Kompetenz der Hausärzte verbessert, wodurch mehr psychische Erkrankungen entdeckt werden. Zweitens äußern Betroffene heute eher als noch vor Jahren Symptome, die auf eine psychische Erkrankung hindeuten. Und drittens sind sie eher bereit, die Diagnose „psychische Störung“ zu akzeptieren, weil sie sich - etwa durch Medienberichte - stärker mit dem Thema auseinandersetzen.
  • Höherer Frauenanteil unter den Beschäftigten: Nach Einschätzung des BKK-Bundesverbands trägt auch der gestiegene Frauenanteil unter den Versicherten dazu bei, dass die Zahl psychischer Störungen unter den Beschäftigten zunimmt. Frauen sind nachweislich häufiger von psychischen Störungen betroffen als Männer.

Das Kreditgewerbe ist im Dienstleistungsbereich hinter der Energiewirtschaft die Branche mit dem niedrigsten Krankenstand bei psychischen Erkrankungen. Das Ausmaß an psychischen Störungen bei Bankbeschäftigten ist seit Jahren unterdurchschnittlich: Für 2007 ermittelte der BKK-Bundesverband je Pflichtmitglied nur einen Ausfalltag wegen psychischer Störungen (Gesamtwirtschaft: 1,2). Die Falldauer bei psychischen Erkrankungen lag im Kreditgewerbe im Durchschnitt bei knapp 27 Ausfalltagen und damit um ein Fünftel unter dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt (33,6 Tage). Eine umfassende Einordnung der Statistiken zu psychischen Erkrankungen erhalten Sie in einem Fachartikel der Zeitschrift „Die Bank“.


Gesundheitsschutzprogramme der Banken
Gesundheitsschutz ist im Kreditgewerbe seit vielen Jahren ein wichtiges Thema auf der Betriebsebene. Die deutschen Banken haben erkannt, wie wichtig die Bedeutung passgenauer betrieblicher Vorsorge- und Hilfsangebote ist; viele Häuser haben inzwischen umfangreiche Maßnahmenpakete geschnürt.

Gerade in Großbanken widmet sich der Gesundheitsschutz auch psychischen Belastungen der Mitarbeiter, unabhängig davon, ob diese Belastungen privat oder beruflich begründet sind. Generell stehen in den meisten Banken Angebote zur Stressbewältigung ganz oben auf der Agenda. Hinzu kommen - je nach Bedarf - Vorsorgeuntersuchungen, Hilfe bei der Wiedereingliederung nach Krankheit, Unterstützung zum individuellen Veränderungsmanagement, vielfältige Beratungs- und Informationsangebote, Zuschüsse für bestimmte Gesundheitsleistungen oder gesunde Ernährung in der Betriebskantine.

Darüber hinaus sind die Banken Vorreiter beim Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf: 28 der 50 größten deutschen Banken sind nach dem Audit „berufundfamilie“ der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung zertifiziert.

Gesundheitsschutz und Tarifpolitik
Betrieblicher Gesundheitsschutz ist eine Angelegenheit der jeweiligen Unternehmen. Auf der Tarifebene besteht dagegen weder inhaltlich noch formal zusätzlicher Regelungsbedarf:

  • Die Zahlen zur Gesundheitssituation im Kreditgewerbe sprechen für sich: Die Banken sind seit Jahren die Branche mit dem niedrigsten Krankenstand; im Dienstleistungssektor ist das Kreditgewerbe deutlich schwächer von psychischen Erkrankungen betroffen als fast alle anderen Branchen.
  • Das Bankgewerbe verfügt bereits über ein breites, betrieblich individuell abgestimmtes Angebot zum Gesundheitsschutz.
  • Die Zuständigkeit für den Gesundheitsschutz liegt nicht bei den Tarifparteien, sondern ist bereits umfassend geregelt: Für die Verhütung arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren sind neben den Krankenkassen (§ 20a SGB V) insbesondere die Berufsgenossenschaften zuständig (§ 14 Abs. 1 und 2 SGB VII). Soweit ein betrieblicher Umsetzungsbedarf verbleibt, hat der Gesetzgeber diese Aufgaben dem Betriebsrat zugewiesen. Damit ist die Mitwirkung der Arbeitnehmervertreter sowohl betrieblich als auch überbetrieblich gesichert, denn die Berufsgenossenschaft wird - obwohl allein arbeitgeberfinanziert - paritätisch selbstverwaltet. Die für die Banken zuständige Verwaltungs-Berufsgenossenschaft gibt jährlich rund 70 Millionen Euro für Prävention aus.