Banken-Arbeitgeber: Gewerkschaften müssen auf pragmatischen Kurs einschwenken

Berlin
8.4.2019
  • Karl von Rohr: „Hoher Anpassungsdruck und schwerwiegende Forderungspakete passen nicht zusammen“
  • Gunar Feth: „Nicht mit zu vielen Nebenthemen überfordern“
  • Rahmenbedingungen zunehmend schwierig

Vor dem dritten Verhandlungstermin der diesjährigen Banken-Tarifrunde (11. April in Berlin) fordern die Arbeitgeber die Gewerkschaften auf, ihre umfangreichen Forderungspakete deutlich zu verschlanken. „Unsere Branche steht unverändert unter hohem Anpassungsdruck und muss erhebliche Herausforderungen bewältigen, zugleich sehen wir uns mit so vielen und schwerwiegenden Forderungen konfrontiert wie noch nie. Das passt nicht zusammen“, sagt Karl von Rohr, Verhandlungsführer der Banken-Arbeitgeber. „Wenn wir in den Verhandlungen vorankommen wollen, brauchen wir jetzt ein deutliches Signal, dass die Gewerkschaften auf einen pragmatischen Kurs einschwenken.“ Gunar Feth, Vorsitzender der Tarifgemeinschaft öffentlicher Banken: „Im Sinne der Unternehmen und der Beschäftigten sollten wir uns auf die wichtigen Themen konzentrieren. Insbesondere in der Gehaltsfrage werden wir nur zu einer Lösung kommen, wenn wir uns nicht mit zu vielen Nebenthemen überfordern.“

Die Arbeitgeber verweisen weiterhin auf die angespannte Branchenlage, ausgelöst durch anhaltende Niedrigzinsen, verschärfte Regulierung, verändertes Kundenverhalten und hohe Investitionen in neue digitale Geschäftsmodelle. Das Kreditgewerbe stehe dadurch auf der Ertrags- und auf der Kostenseite weiterhin enorm unter Druck. Darüber hinaus hätten sich die Rahmenbedingungen für die Gehaltstarifverhandlungen verschlechtert. So seien alle Konjunkturprognosen zuletzt deutlich nach unten angepasst worden, parallel steige das Ausmaß geopolitischer Risiken. Und die Zinswende sei nach den jüngsten Ankündigungen der Europäischen Zentralbank weiterhin nicht in Sicht. Vor diesem Hintergrund sei der Verteilungsspielraum beim Gehalt sehr gering.

Mit Blick auf die umfangreichen Gewerkschaftsforderungen zu Nebenthemen weisen die Arbeitgeber erneut darauf hin, dass die Arbeitsbedingungen im Bankgewerbe trotz aller Umbrüche nach wie vor sehr gut seien. Die Forderung der Gewerkschaft Verdi nach sechs zusätzlichen freien Tagen sei deshalb unverständlich. Auch die Ausbildungsqualität und -vergütung bewegten sich weiterhin auf überdurchschnittlich hohem Niveau, weshalb die Forderungen nach kostenträchtigen neuen Regelungen zur Ausbildung nicht nachvollziehbar seien.

Hinweis an die Redaktionen: Die Tarifverhandlungen im privaten und öffentlichen Bankgewerbe gehen am Donnerstag, 11. April 2019, in Berlin in die dritte Runde (Beginn: 13:00 Uhr). Die Pressestelle der Banken-Arbeitgeber ist unter folgender Tagesadresse erreichbar: Hotel Palace Berlin, Budapester Str. 45, 10787 Berlin, Tel. (030) 2502-2211, Mobil (0171) 311 96 89.

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Dem AGV Banken gehören rund 100 Institute (Großbanken, Regionalbanken, Pfandbriefbanken, Spezialbanken, Privatbankiers und Bausparkassen) mit rund 135.000 Beschäftigten an. Der Arbeitgeberverband vertritt die sozialpolitischen Interessen seiner Mitglieder, schließt als Tarifträger auf Bundesebene Tarifverträge mit den Gewerkschaften ab, informiert und berät die Mitgliedsinstitute und vertritt sie vor Arbeits und Sozialgerichten in Grundsatzfragen. Darüber hinaus nimmt er die sozialpolitischen Belange des privaten Bankengewerbes gegenüber Regierungs- und Verwaltungsstellen wahr. Der AGV Banken unterstützt seine Mitglieder in der beruflichen Aus- und Weiterbildung und berät die zuständigen Ministerien bei der Entwicklung von einschlägigen Gesetzen und Ausbildungsordnungen.